In dieser neuen Folge von On the Move Conversations blickt nccr on the move zurück auf die Covid-19-Pandemie und untersucht, wie die Bezeichnung „systemrelevant“ (essential worker / key worker) die Anerkennung und den Schutz während einer globalen Krise geprägt hat – und warum dieses Erbe heute noch für Arbeits- und Migrationsrechte sowie die Zukunft der Arbeit von Bedeutung ist.
Gemeinsam mit Eloise Thompson (nccr – on the move, Universität Neuenburg) und Hilmi Gashi (Gewerkschaft Unia) werfen wir einen gezielten Blick auf Grossbritannien und die Schweiz, um zu verstehen, wie sich diese Dynamiken vor Ort ausgewirkt haben.
„Nisma e kaosit rrezikon pagat, vendet e punës dhe të drejtat“
Am Freitag, den 27. März 2026, fand in Bern eine Medienkonferenz gegen die sogenannte «Nachhaltigkeitsinitiative» der SVP statt, die von einer breiten Allianz aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften als «Chaos-Initiative» bezeichnet wird. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gewerkschaften warnten vor den weitreichenden Folgen der Initiative für Arbeitnehmende in der Schweiz.
Zwischen der Pressekonferenz und einer anschliessenden Gewerkschaftsaktion auf dem Bundesplatz ergiff Elise Gérard, die Gelegenheit, kurz mit Vania Alleva, Präsidentin der Gewerkschaft Unia, zu unterhalten. Im Interview erklärt sie, warum die «Chaos-Initiative» eine Gefahr für alle Arbeitnehmenden darstellt und wie die Kampagne dagegen geführt wird.
„Nisma e kaosit rrezikon pagat, vendet e punës dhe të drejtat“
Të premten, më 27 mars 2026, në Bernë u mbajt një konferencë për media kundër të ashtuquajturës «Nisma për qëndrueshmëri» e SVP/UDC-së, e cila cilësohet si «Nismë e kaosit» nga një aleancë e gjerë e politikës, ekonomisë dhe sindikatave. Përfaqësues nga politika dhe sindikatat paralajmëruan për pasojat e rënda të kësaj nisme për punëmarrësit në Zvicër.
Midis konferencës për shtyp dhe një aksioni pasues të sindikatave në Sheshin e Federatës, pata rastin të bisedoj shkurtimisht me Vania Alleva, kryetare e sindikatës Unia. Në intervistë, ajo shpjegon pse «Nisma e kaosit» përbën rrezik për të gjithë punëmarrësit dhe si po zhvillohet fushata kundër saj
Die Giftmanufaktur der SVP hat Talent für kreative Initiativnamen. Ihre neueste Attacke auf die sozialen und demokratischen Rechte aller Arbeitnehmenden nennt sie «Nachhaltigkeitsinitiative». Das klingt nach Vernunft, doch nachhaltig ist hier gar nichts. Im Gegenteil: Es ist ein Frontalangriff auf unsere sozialen Sicherungssysteme, unsere Löhne und unsere Rechte.
Sündenböcke statt Lösungen
Während die Menschen unter explodierenden Krankenkassenprämien leiden, Mieten den Mittelstand auffressen und Reallöhne stagnieren, bietet die SVP keine Lösungen, sondern Sündenböcke. Seit Jahrzehnten macht diese Partei Politik für Reiche und Superreiche. Sie beherrscht das Spiel: Ablenken durch den Fingerzeig auf «die Ausländer», statt Verantwortung für die Folgen ihrer eigenen Klientelpolitik zu übernehmen. So auch mit dieser Chaos-Initiative.
Kein Ja zum Chaos
Ein Ja zu dieser Initiative wäre ein Ja zum Chaos – in allen Lebensbereichen:
Chaos bei den Löhnen: Mit dem Ende der Personenfreizügigkeit würde der Lohnschutz (FlaM) kollabieren. Ohne Kontrollen wird Lohndumping zum Geschäftsmodell.
Chaos bei den Renten: Der AHV würden ohne junge Beitragszahlende Milliarden fehlen. Rentenkürzungen oder ein höheres Rentenalter wären die logische Folge.
Chaos in der Pflege: Wir sind schon heute händeringend auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Wer diese Initiative annimmt, gefährdet unsere Grundversorgung.
Ein Angriff auf die Würde
Die Initiative ist zudem ein Angriff auf die Würde der Migrant:innen, die dieses Land mit aufbauen. Die Migrationskommission der Unia warnt zu Recht: Hier sollen hart erkämpfte Fortschritte vernichtet werden. Die Rückkehr zu menschenverachtenden Modellen wie dem Saisonnierstatut und der Angriff auf das Recht auf Familie sind eines modernen Rechtsstaates unwürdig.
Die SVP greift mit der Initiative die erzielten Fortschritte für Migrant:innen frontal an – und damit die Grundlagen unserer gewerkschaftlichen Arbeit
Diese Initiative löst kein Problem, sie verschärft alle. Sie ist reine Symbolpolitik auf dem Rücken der Arbeitnehmenden, ohne die wahren Kostentreiber im Gesundheits- und Immobilienmarkt anzugehen. Die Gewerkschaften antworten auf Spaltung mit Solidarität.
Wer Rechte, Löhne und Renten schützen will, schreibt am 14. Juni ein klares Nein auf den Abstimmungszettel.
Das überdeutliche Nein zur «Halbierungsinitiative» ist ein Befreiungsschlag.Nach der «No Billag»-Initiative ist dies bereits die zweite massive Abfuhr für die SVP und andere rechtskonservative Kreise, die den medialen Service public systematisch abbauen wollen.
Mit 61,9 % hat das Stimmvolk den Initianten klar gemacht, dass ihm der mediale Service public und die SRG mit ihrer starken Verankerung in allen Sprachregionen der Schweiz wichtig ist.
Die progressive Schweiz verteidigt den Service publik Dieses starke Ergebnis ist auch dem grossen Einsatz vieler progressiver Menschen zu verdanken. Besonders eindrücklich war das Engagement von Personen mit Migrationsgeschichte. In Zeiten von Fake News ist faktenbasierter Journalismus essentiell für den politischen Diskurs in der direkten Demokratie.
Wer die Gefahr von gezielt gelenkten Medien und Propaganda aus eigener Erfahrung kennt, schätzt den Wert einer unabhängigen SRG doppelt.
Das Volk will keine Verhältnisse, in denen gezielt gesteuerte Algorithmen, Desinformation und private Profitinteressen den Diskurs bestimmen.
Hinter der Initiative standen handfeste wirtschaftliche Eigeninteressen Das Volk hat jedoch klargestellt, dass der freie Zugang zu Information, Sport und Kultur ein öffentliches Gut bleiben muss, das nicht privaten Profiten geopfert wird. Das gilt insbesondere für die Sprachminderheiten, denn ohne die solidarische Finanzierung der SRG wäre eine gleichwertige mediale Versorgung in der Romandie, der italienischen Schweiz und der Rumantschia ökonomisch kaum möglich.
Ein Signal an die SRG-Leitung Die Strategie der vorsichtigen Anpassung gegenüber politischem Druck hat sich nicht ausgezahlt. Wer auf Gnade durch Anbiederung hofft, macht sich erst recht zum Ziel. Das Volk hat der SRG den Rücken gestärkt, damit sie wieder mit Selbstbewusstsein und ohne «Schere im Kopf» für ihre journalistische Unabhängigkeit einsteht. Wir brauchen keine mutlose SRG, sondern eine, die ihren Job macht: unabhängig, kritisch und faktenbasiert.
Respekt vor dem Volksentscheid Die Reaktion der SVP und der Initianten auf die Niederlage lässt wenig Raum für Interpretationen: Man zeigt sich als schlechter Verlierer und hält an der Rhetorik der Delegitimierung fest. Es ist davon auszugehen, dass die Versuche, die unabhängige Presse zu schwächen, weitergehen werden. Systematische Angriffe auf etablierte Medienhäuser sind oft Teil einer Strategie, den öffentlichen Raum für ideologisch gesteuerte Eigenmedien zu räumen. Für eine offene und solidarische Gesellschaft ist diese Entwicklung gefährlich, da sie die Basis für einen sachlichen Austausch entzieht. Es ist nun an der Zeit, dass die Initianten aus dem SVP-Umfeld dieses wiederholte Verdikt zu akzeptieren. Den Souverän so lange mit denselben Forderungen zu behelligen, bis eine Ermüdung eintritt, ist eine übermässige Beanspruchung unserer direktdemokratischen Instrumente. Diese Taktik der permanenten Re-Politisierung bereits entschiedener Fragen belastet den gesellschaftlichen Zusammenhalt und widerspricht unserer politischen Kultur.